Ausgebautes Dachstuhlholz wird zu Fensterbänken, Stufen oder Einbauten. Risse, Zapfenlöcher und Sägespuren bleiben lesbar und erzählen vom früheren Lastabtrag. Mit Naturöl geschützt, erhält die Oberfläche Tiefe und Pflegefreundlichkeit. Bewohner berichten oft, wie das warme Holz morgens den Kaffeeduft sammelt, während sie beiläufig erklären, dass genau dieser Balken früher den Kinderraum trug. Funktion, Sinn und Erinnerung verschmelzen.
Abgetragene Trennwände liefern Ziegel für Fußböden oder Gärten. Unterschiedliche Brennfarben bilden Teppiche, die lautlos an Werkstätten, Brände, Erweiterungen erinnern. Bruchstücke füllen Gabionen, sparen Transporte, stabilisieren Hänge. Einmal fanden wir Initialen aus 1912 im Fugenmörtel; statt sie zu verstecken, rahmten wir sie dezent. Besucher fragen nach, Gespräche entstehen, und plötzlich trägt selbst der Hofboden ein kleines Archiv.
Pigmente aus Ocker, Umbra, Holzkohle und Pflanzenextrakten schaffen matte, tiefe Töne, die mit Licht altern, nicht mit Plastik glänzen. Kalkmilch bindet CO2, Leimfarben bleiben reparierbar. Wir mischen Proben, betrachten sie über den Tag, dokumentieren Wirkung. Die Wände erzählen Jahreszeiten, der Morgen wirkt kühl, der Abend weich. So wird Farbe nicht bloß Oberfläche, sondern ein stiller Begleiter, der Atem, Licht und Stofflichkeit verbindet.
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